alex_t: (Default)
Alex T ([personal profile] alex_t) wrote2005-06-12 03:22 pm

Wow, dieser Text ist ganz schön unzusammenhängend. Aber was soll's.

Argh, ich fange lieber an dieses Ding zu schreiben, sonst komme ich nie dazu.

Also: Die Reise nach Schottland.
Nachdem ich mich durch Holland durchgeschlagen hatte - und fast wahnsinnig geworden bin, weil ich immer das Gefühl hatte, die Sprache
doch eigentlich verstehen zu müssen - bin ich dann wie immer viel zu früh am Fährhafen angekommen.

Während des Wartens habe ich mir auf dem einen Arm einen Sonnebrand geholt, das war auch schon das Interessanteste was während dieser
Stunden passiert ist. Warten. Durch die Ticket- und Passkontrolle.
Warten. Aufs Schiff.
Warten. Einmal durchs ganze Schiff laufen. Fotos machen.



Warten.
Abfahren. Um Sieben ins Bett gehen weil das Warten zu langweilig wird. (Mein Auto war übrigens zwei Decks über meiner Kabine untergebracht.) Dummerweise um 2 Uhr nachts ausgeschlafen haben und die nächsten drei Stunden vor sich himdämmern. Aufstehen. Warten. Dumm angeguckt werden weil es erst fünf Uhr ist. Warten. Frühstücken. Warten. Warten. Warten. Den Hafen von Newcastle sehen und Panik schieben. Warten. Die Fähre verlassen und IN ENGLAND SEIN! (Panik schieben. Panik schieben. Panik schieben.)

Oh, während einer der wenigen Warteperioden habe ich mir auch auch noch einen schicken kleinen Zettel für die Windschutzscheibe zurechtgemacht.

Da ich ja perfekt multitasken kann, habe ich das Panik schieben mit dem Autofahren verbunden und mich langsam Richtung Norden aufgemacht.
Langsam deswegen, weil ich mir meiner Umrechnung von Mph in km/h immernoch nicht so ganz sicher bin. Ich hoffe einfach mal das 1,5
nicht völlig falsch ist.

In Edinburgh habe ich dann etwa eine Stunde nach der Jugendherberge gesucht. Blöde Wegbeschreibung. Ein kurzes Stück geradeaus entspricht
nicht gleich 10 Minuten. Nachdem ich meinen Krempel in der JH abgeladen hatte, habe ich alle Wertsachen in meine Notebooktasche gepackt und bin auf gut Glück losmarschiert. Erster Stop: Ein Buchladen. Schließlich brauchte ich eine Karte von Edinburgh. Und musste den neuen Harry Potter vorbestellen. Man muß eben Prioritäten setzen. Wer braucht schließlich Essen?

Danach bin ich noch ein wenig weiter durch die Stadt marschiert (die JH liegt direkt an einem Golfplatz. Mitten in der Stadt. Und da haben
Familien und Teenager und Senioren einfach so Golf gespielt. Ich fand das mehr als faszinierend) und schließlich noch auf den Berg gestiegen.



(Übrigens liegt die Klinik ein Stückchen hinter dem Berg den man auf dem dritten Bild im Hintergrund sehen kann)
Am späten Nachmittag habe ich noch meine eMails gecheckt und Kleinkram eingekauft. Und danach gelesen. Ich war viel zu nervös als das ich irgendwelche Sehenswürdigkeiten hätte würdigen können, ok?


Am nächsten Tag bin ich ab fünf wie blöd durch die JH getiegert und habe es um 7:30 nicht mehr ausgehalten und bin losgefahren. Obwohl ich mich erst ab Neun am Empfang melden sollte. Die Zeit bis dahin habe ich mich am Parkplatz des Mitlothien Ski-Zenters in die Sonne gesetzt und habe einen Abstecher auf einen weitere Hügel gemacht.

Danach bin ich zur Klinik gefahren, habe mich am Empfang gemeldet und damit hatte die erste Woche in der Klinik angefangen. Und zwar ganz perfekt.

  • Zuerst war die gute Ms McFarlane die mir geschrieben hatte nicht aufzufinden und eine andere Dame aus der Verwaltung hat mich rumgeführt bist die gute Vivien dann doch noch mal aufgetaucht ist.

  • Dann stellte sich raus, das die Wohnung in der ich schlafen sollte noch nicht geräumt war

  • Als sie mich dann erst mal im Klinikbereich alleingelassen habe mit der Anweisung nur kurz zu fragen bevor ich mich einfach dort dazustelle wo es mich gerade interessiert, waren alle Räume voll mit Studenten - und gut trainiert wie ich bin gehe ich doch nicht in einen Raum mit Patientenbesitzern wenn da schon fünf Leute drin sind. Und auf Station wirkte es auch schon so als ob aller Raum benutzt
    würde.

  • Nachdem ich eine Stunde hin und her gewandert war und mich mit dem Grundriss vertraut gemacht hatte und generell versucht hatte ein
    dummes Gesicht und einen guten Einduck zu machen, kamen Vivienn und Kate mit zwei weiteren Studentinnen vorbei. Die beiden kamen aus Wien und haben mir dann beim rumstehen Gesellschaft geleistet.

  • Nach noch einer Weile rumstehen kam dann der Klinikchef vorbei und erklärte uns, daß wir zu früh einbestellt worden wären und daher
    dummerweise die ihre eigenen Studenten noch da wären. Und das er sich jetzt drum kümmern würde was wir denn machen könnten und wo wir
    schlafen würden.

  • Noch ein bischen rumstehen und irgendwann wurde alles so geregelt, daß wir diese Woche in der Poliklink mithelfen würden und eine von uns in der ICU-Flat, eine in einem Zimmer der Nurses-Flat und ich im Cottage der Großtierklinik untergebracht würden.

  • Irgendwann am Nachmittag wurde dann auch die Frage ob wir denn ICU-Duty hätten oder nicht mit nein beantwortet.

  • Folglich hatten wir die ganze Woche realtiv wenig zu tun. Ganz ehrlich, Hunde impfen und Wurmkuren geben konnte ich auch schon vorher. Und da in der First Opinion die ganze Woche über wenig los war konnte ich die Nachmittage nutzen ein Internetcafe aufzutreiben.
    Laut der guten Ms McFarlane wäre es nämlich zu viel Aufwand den Visiting Students Internet-Access zu geben. Eine öffentliche Telefonzelle ist hier auch nirgendwo zu finden. Easter Bush ist nämlich mitten im Busch. Und als ich am Mittwoch endlich dachte eine etwa einen Kilometer entfernt gefunden zu haben, stellte sich heraus das die BT sie vor einem Jahr wegen Nichtbenutzung abgeschaltet hatte.

  • Am Freitag stellte sich dann noch raus, daß wir das ganze Wochenende frei haben würden.

  • Ich habe die Zeit genutzt jeweils morgens zwei bis drei Stunden durch Edinburgh zu laufen.



    Danach meine Mails abzurufen. Und den Rest des Tages zu verfaulenzen.

  • In Kürze:

    • Edinburgh ist schön.

    • Müllmänner gucken einen nicht nur in London seltsam an wenn man frühmorgens durch die Stadt läuft

    • Ganz oben auf dem Arthur's Seat, Sonntags um halb neun ist nicht der beste Platz an dem einem plötzlich speiübel werden kann. Fünfzehn Minuten mit Schüttelfrost und dem Kopf zwischen den Beinen auf einem Stein zu sitzen ist eine ganz eigene Erfahrung. (So hoch, daß es etwas mit der Höhe zu tun gehabt haben könnte ist der Berg eigentlich nicht)

    • Starbucks mag ätzend sein, aber zumindest haben sie verlässliche Öffnungszeiten und Wireless über T-Mobile. Bäh.

    • Faulenzen ist anstrengend.






Und seitdem? Diese Woche waren die einheimischen Studenten weg, d.h. die Ösis und waren richtig als ICU (intensive care unit)-Studenten tätig. Das beinhaltet die Betreuung der ICU Patienten, die abendliche und nächtliche Medikamentengabe und natürlich auch, daß wir bei Notfällen mithelfen wenn der TA und die Nurse Hilfe brauchen.
Wow. Richtig was zu tun. Und noch dazu kann ich mein Schlafdefizit wieder vergrößern (die Ösis sind eher Nachtmenschen, deshalb gehe
ich nach der 9 Uhr Runde schlafen und kümmere mich dann um die 4, 6 und 8 Uhr Checks) und tagsüber konnte ich mich im rumstehen üben.

Inzwischen habe ich es auch geschaft mir einen Internet-Zugang zu sichern (von wegen viel Aufwand. Einfach in der Hauptbibliothek zum
Computerdesk gehen, Leipziger Studentenausweis vorzeigen und gut ist. "The college you're visiting should have arranged that for you." Vets und Computer sind eben eine ganz eigene Mischung ), aber mit dem Wireless-Access muss ich noch ein wenig die Leute nerven.
Wenn ich Web-Mail nicht so hassen würde, wäre ich also viel besser erreichbar, aber zumindest einmal am Tag gucke ich jetzt nach.
Und Kommentare die hier hintelassen werden bekomme ich automatisch als eMail zugeschickt (Winke mit dem Zaunpfahl sind meine
persönliche Stärke, habe ich das schon mal erwähnt?)

Wer also persönlich was von mir hören will, kann sich ja mal melden (noch mehr Winke. Ich bin schon subtil).

Jetzt beende ich diesen endlosen Bericht lieber mal, sonst vergeht wieder eine Woche bevor ich ihn endlich losschicke.

Kürzere Tagesberichte sind auf jeden Fall einfacher zu tippen.